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Zukunftsrat - Die Arbeitskreise berichten!

Verbandsgemeinde Rheinböllen, den 01.04.2014

Die Bevölkerungsstruktur in Rheinland-Pfalz wandelt sich seit Jahren. Wir werden immer älter und bleiben länger gesund. Gleichzeitig kommen weniger Kinder zur Welt. Dieser sogenannte demografische Wandel hat Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche und ist Herausforderung und Chance zugleich: Politik und Gesellschaft sind aufgefordert, die Rahmenbedingungen des Zusammenlebens so zu gestalten, dass Menschen aller Generationen auch in Zukunft gerne und gut in allen Teilen von Rheinland-Pfalz leben können. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr der Zukunftsrat gegründet, welcher ein Ausfluss des von der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück angestoßenen Projektes „ZukunftsiDeeen - innovative Daseinsvorsorge durch Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien nachhaltig gestalten im Rhein-Hunsrück-Kreis“ ist.

Mit Blick auf den demografischen Wandel und dem zu erwartenden massiven allgemeinen Bevölkerungsrückgang widmen sich derzeit 37 hochmotivierte Mitglieder des Zukunftsrates in fünf themenbezogenen Arbeitskreisen

  • Wohnformen
  • Generationen
  • Infrastruktur (Einkauf, Verkehr, Versorgung)
  • Kultur, Sport & Freizeit
  • Energieversorgung

 

den Herausforderungen, welche sich in den kommenden Jahren – auch in der Verbandsgemeinde Rheinböllen – ergeben werden. In den Arbeitskreisen gilt es, die Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten.

Die einzelnen Arbeitskreise haben sich zwischenzeitlich mehrmals zusammengesetzt und eine Reihe von Ansätzen gesucht sowie Vorschläge erarbeitet. In der Sitzung des Verbandsgemeinderates am 13.03.2014 hatten die Sprecher der Arbeitskreise Gelegenheit, ihre bisher erarbeiteten Zwischenergebnisse vorzustellen.

 

Dem Arbeitskreis „Wohnformen“, vertreten durch ihren Sprecher Herr Michael Holl aus Dichtelbach geht es vor allem darum, sich mit der Problematik der oft unbefriedigenden Wohnsituation, insbesondere der älteren Generationen auseinanderzusetzen. Dabei bedarf es individueller Hilfestellungen für die Betroffenen. Die Existenz von derzeit neun ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten in der Verbandsgemeinde Rheinböllen ist zwar ein erster Schritt, müsse jedoch weiter ausgebaut werden. Wichtig ist hierbei, auf die älteren Mitmenschen zuzugehen und Hilfe anzubieten. Besonders die Nachbarschaft als wichtiger Sozialraum wird angesprochen, sowohl für eine gegenseitige Unterstützung als auch für gesellige Kontakte. Es wird auch als sehr wichtig erachtet, dass es möglichst in jeder Gemeinde gemeinschaftliche Wohnformen geben sollte, die es den Bewohnern ermöglichen, in der vertrauten Gemeinde zu bleiben, wenn es in den eigenen vier Wänden nicht mehr geht. Beispielhafte Projekte in der Region sind die Seniorengemeinschaft in Külz oder die Seniorenpension in Bell. Auch befasste sich der Arbeitskreis mit möglichen Alternativen zu Neubaugebieten. Vorbildlich sei hier ein Modell der Verbandsgemeinde Wallmerod im Westerwald, nach dem keine Neubaugebiete mehr ausgewiesen, sondern Hilfestellungen bei der Sanierung von älteren Gebäuden im Ortskern gegeben oder Baulücken geschlossen werden. Auch hat man sich ausführlich mit verschiedenen Versorgungsmöglichkeiten in Form eines „Dorfladens“ oder alternativ einem festen „Markttag“, dem öffentlichen Nahverkehr und der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum beschäftigt.

 

Herr Wilhelm Gutenberger aus Ellern, Sprecher des Arbeitskreises „Generationen“ präsentierte Lösungsansätze, die mit einem relativ geringem Finanz- und Sachaufwand umgesetzt werden könnten. Auffällig sei, dass in den Ortsgemeinden und der Stadt kaum Sitzgelegenheiten in Form von einfachen Sitzbänken vorhanden sind. Insbesondere älteren und gehandicapten Personen ohne Fahrgelegenheit fällt es daher sehr schwer, große Entfernungen als Fußgänger zurückzulegen. Weitere einfach umsetzbare, kostengünstige Maßnahmen wären beispielsweise die Errichtung von öffentlichen Toiletten, Anbringung von zusätzlichen Hundekotautomaten, eine Absenkung von Bürgersteigen oder Anbringung von Zebrastreifen an Stellen, an denen es erforderlich erscheint um die Begehung für in der Bewegung beeinträchtigte Menschen zu erleichtern. Eine zusätzliche Erleichterung wäre die Einführung von Spielstraßen und verkehrsberuhigten Zonen. Des Weiteren wurden Vorschläge zur Einrichtung von Räumlichkeiten für Treffen aller Generationen gemacht, die ein Miteinander von jungen Menschen und Senioren fördern könnten.

 

Die Sprecherin des Arbeitskreises „Sport, Kultur & Freizeit“, Frau Ilona Jung aus Dichtelbach stellte die bisher gesammelten Ideen im Einzelnen vor. Im Bereich Sport liegt das besondere Augenmerk auf einer Vergrößerung des sportlichen Angebotes durch eine Vertiefung der Arbeit der Sportvereine im Bereich Kooperation sowie einer attraktiveren Angebotsgestaltung mit Hilfe der Unterstützung der Verbandsgemeinde durch zum Beispiel eine durchgehende Öffnung der Sportstätten, sodass Sportprogramme kontinuierlich auch in den Schulferien fortgesetzt werden können oder auch durch eine finanzielle Unterstützung bei Fortbildungen. Im Bereich Freizeit und Kultur wurden zum Teil generationsübergreifende Ideen gesammelt wie zum Beispiel das Anbieten von Kochkursen, bei denen Senioren ihr Können und Wissen an junge Menschen weitergeben, „Maje“ mit Handarbeiten (Senioren lehren junge Leute das Stricken, etc.) oder das Veranstalten von Reparaturtreffen, bei denen die Älteren defekte Kleingeräte unter Anleitung eines Experten reparieren können. Wichtig sei es auch, die Mobilität durch Fahrgelegenheiten zu kulturellen Angeboten in der Region (Konzerte, Vorträge, Theateraufführungen, etc.) zu verbessern. Für Einheimische und Gäste könnten in Zusammenarbeit mit Bürgern mit Expertenwissen, Forst und Vereinen Führungen angeboten werden („Auf den Spuren der Puricellis“, Führungen auf dem jüdischen Friedhof, im Wald oder zu Naturdenkmälern).

 

Herr Manfred Klaßen aus Riesweiler, Sprecher des Arbeitskreises „Infrastruktur“ stellte zu Beginn fest, dass die integrierte Orts- und Entwicklungsplanung entscheidenden Einfluss auf die Wohnqualität für Jung und Alt hat. Durch die Schaffung neuer qualifizierter zukunftsorientierter Arbeitsplätze könnten junge Menschen in der Region gehalten werden. Eine ortsnahe Nahversorgungsstruktur müsse geschaffen und gewährleistet, sowie die Verkehrsinfrastruktur verbessert werden. Insbesondere sollten häufigere Verbindungen zu den Ortschaften geschaffen werden. Des Weiteren sind die Sicherung und der Erhalt der Schulen in der Verbandsgemeinde ein wichtiger Aspekt, da sie ein wesentlicher Standortfaktor sind. Vorhandene Bauflächen in der Verbandsgemeinde seien nicht genügend erkennbar. Die Darstellung eines Leerstands- und Bauflächenkatasters könnte ortsbezogen auf der Homepage der Verbandsgemeinde dargestellt werden. Zur Stärkung der Ortskerne und Revitalisierung müssen vorhandene bebaubare Flächen deutlich gemacht werden und die Gemeinde frühzeitige Überlegungen über die künftige Verwendung von  Altbeständen anstellen, bei denen mit einem künftigen Leerstand zu rechnen ist. Altbausanierung müsse durch die Verbandsgemeinde und die Ortsgemeinden finanziell gefördert werden und damit als Alternative zum Bau in Neubaugebieten interessant werden.

 

Auch hat der Arbeitskreis „Energieversorgung“ interessante Ansätze gefunden und Lösungsvorschläge erarbeitet, die ihr Sprecher Herr Dr. Jörg-Christian Fröhling aus Riesweiler im Einzelnen erläuterte. Zunächst wurde anhand einer Übersicht der Bioenergieanlagen und Standorten erneuerbarer Energien im Rhein-Hunsrück-Kreis gezeigt, in welchem Umfang sich umweltfreundliche Energie am Markt etabliert hat. Im Auftrag des Umweltbundesamtes wurden Fallstudien zum Klimaschutz in der räumlichen Planung erstellt. Aus vielen Untersuchungen zu den Ursachen und den Auswirkungen des Klimawandels ist deutlich geworden, dass die künftige Ausgestaltung der Raumstruktur eine wichtige Rolle für die Begrenzung des Energieverbrauchs und klimarelevanter Emissionen, als auch für die Abfederung von Auswirkungen des Klimawandels spielt. Dieser Bericht könnte für den Verbandsgemeindebedarf adaptiert werden. Anhand einer Abbildung erhielten die Anwesenden einen orientierten Überblick über einzelne Handlungsfelder der Raumplanung zur Senkung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen. Der Arbeitskreis spricht sich insbesondere für die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung in den Ortsgemeinden und der Stadt aus. Auch könnten regelmäßige Sprechstunden eines Energieberaters in der Verbandsgemeindeverwaltung abgehalten werden und Flüsterbitumen zukünftig als Straßenbelag eingesetzt werden. Des Weiteren könnten sich die Gemeinden basierend auf dem EU-Projekt „Display“ in einem Wettbewerb „Energiesparendster Ort“ messen und somit motiviert werden, den Energieverbrauch gezielt zu senken.

 

Für eine konkrete Umsetzung in den Gemeinden ist es wichtig, ein Problembewusstsein zu schaffen und Diskussionsprozesse anzustoßen, damit solche Initiativen seitens der Verbandsgemeinde, der Ortsgemeinden und der Stadt aber auch der engagierter Bürgerinnen und Bürger gefördert und Hilfestellungen geleistet werden.

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Zukunftsrat - Die Arbeitskreise berichten!